Weinen


Weinen
Weinen, Schreien ist für das Baby ein deutliches Verständigungsmittel. Es schreit, wenn es Hunger hat, wenn es unter Unbehagen oder Einsamkeit leidet. Dabei hält es die Augen offen oder fest geschlossen, kann rot anlaufen, rudern mit den Armen oder kräftig strampeln.
Das Hochnehmen des Babys, ein instinktives Verhalten, wird ihm Gelegenheit geben in einen ruhigen Zustand zu kommen. Bei wiederholtem Auftreten des Weinens denken Sie daran, das Kind wieder auszuziehen und in den Windeln an Ihren Körper zu nehmen.  Ihr Kind hat bereits ein ausgeprägtes Gefühlsleben und Bedürfnisse, für deren Verarbeitung Sie als Mutter ihm den sicheren Hafen bieten.

Gefühle
Schon Ungeborene kennen Gefühle des seelischen Schmerzes, der Einsamkeit, der Enttäuschung oder der Überforderung, wenn entsprechende Ereignisse eingetreten sind. Sie nehmen wahr, was um sie herum geschieht. Der Prozess setzt sich unvermindert nach der Geburt fort.
Vielleicht hätten sie nie erwartet, dass Ihr Kind vermehrt weinen würde. In dieser sensiblen Phase des Wochenbetts fühlt man sich rasch hilflos, ohnmächtig und ratlos. Manche Mütter fühlen sich sogar vom Kind abgelehnt.  

Bauchatmen
Reden Sie mit Ihrem Baby und geben Sie ihm Ihre eigenen Gefühle ausgesprochen weiter. Auch Ihre allfälligen Ängste oder Unsicherheiten darf es erfahren. Versuchen sie dabei tief in Ihren Bauch zu atmen, hören sie auf Ihr Herz und achten Sie bewusst auf das Berührtwerden durch Ihr Kind. Es selbst gibt Ihnen von seiner Kraft zurück.

Sprache
Verschiedene Signale und Arten des Schreiens gehören zur Sprache eines Babys. Wird es mit Reizen überflutet, sei es nur schon durch viele Besuche im Spitalzimmer, kann es sich wegdrehen und einschlafen oder eben weinen. Diese Signale lernen Sie am besten kennen, wenn Sie Ihr Kind an sich halten, beruhigend reden und selbst ruhig bleiben können. Hier hilft ein sensibler Partner oder zugewandtes Pflegepersonal.  

Trennungen
Auch nach kurzen oder längeren Trennungen weinen Babys wochenlang rasch, sobald sie wieder von der Mutter getrennt werden. Das Tragen am Körper, auch wiederholt in Hautkontakt, wird Ihnen auch zuhause mehr Sicherheit geben. Sie können Ihrem Kind damit nie zu viel Liebe geben.  
Ihr Baby ist eine eigenständige Persönlichkeit mit einem schon weit vor der Geburt ausgeprägten Gefühlsleben. Sie haben keinen Einfluss, ob das Kind bei der Geburt Ängste erlebt hat, ob es deshalb trauert. Ich möchte Ihnen aber Mut machen, sich mit Ihrem Kind viel zu unterhalten über Ihre eigenen Sorgen während der Trennungszeit oder der Geburt. Geben sie ihm die Sicherheit «ich lass Dich nicht mehr alleine».

 

Als Methode der Begleitung und Bindungsstärkung in Stress-Situationen um Geburt und Stillbeginn eignet sich sehr die Emotionelle Erste Hilfe (EEH).


In den ersten neun Lebensmonaten können sie Ihr Kind mit Halt und Liebe nicht genug verwöhnen!

 

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ARTIKEL / KINDERÄRZTE SCHWEIZ: Schreien des Kindes im Kontext von Bindung und Beziehung (3/2018)
Wenn aus dem ersehnten Geburtsschrei in den nächsten Tagen, Wochen oder sogar Monaten ein untröstliches, lang andauerndes Schreien oder Weinen wird, kommen die Eltern oft an ihre Grenzen und darüber hinaus. Diese Überforderung führt meist zum Verlust der emotionalen Verbundenheit mit ihrem Kind. Wie können wir sie in dieser Situation unterstützen? Wie können wir ein Verständnis dafür wecken, dass nicht jedes Schreien Hunger oder Bauchweh bedeutet? Grundsätzlich haben wir uns Gedanken gemacht, ob wir von «Schreien» oder «Weinen» reden sollen und haben uns entschieden, beide Begriffe zu verwenden, obwohl die Eltern meist «Schreien» verwenden, wenn sie uns von ihren Nöten berichten. [Co-Autorin: Helen Zimmermann, Seuzach, EEH-Fachberaterin, Pflegefachfrau HF KJFF]
Dr_med_Luedin_KinderAerzte_Schweiz_3_201
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ARTIKEL / KINDERÄRZTE SCHWEIZ: Schreien aus der Sicht des Kindes (2017)
Der erste Schrei unmittelbar nach der Geburt löst bei den Anwesenden Glücksgefühle
und Erleichterung aus. Ganz anders Stunden oder Tage nach der Geburt. Das Schreien eines
Säuglings lässt niemanden, insbesondere aber die Eltern nicht, unberührt. Das Schreien
versetzt sie in Alarmbereitschaft, und je länger dies dauert, desto unerträglicher wird die
Situation.
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