Geburtsverlauf


Die Geburt wird durch das Ungeborene eingeleitet. Der kindliche Körper setzt Adrenalin-Hormone frei, die als Erstes seinen Körper für die bevorstehende Anstrengung stärken und mobilisieren. Durch Vermittlung über die Nabelschnur beginnt die Mutter mit ihrer entsprechenden Hormonproduktion. Dieses gemeinsame System hält sich so lange in höchster Bereitschaft, bis die Geburt vollständig abgeschlossen ist. 

 

Zuversicht
Während der Eröffnungsphase des Muttermundes reagiert das Kind auf eine tiefe Atmung der Mutter mit einer Beruhigung seines Herzschlages. Bleiben Sie in Gedanken bewusst mit Ihrem Kind in Verbindung. Über die Spiegelneurone stehen sie so intuitiv in Kommunîkation. In dieser Phase dürfen Sie oder auch der Vater mit dem Kind über sprachliche Ermunterung Sicherheit und Bestätigung vermitteln. Es gibt kein zurück. Mit dem Kind reden ist ein Ausdruck der Anerkennung seiner Persönlichkeit.  
Siehe auch Rubrik «Speziell für Väter».

Orientierung
Die zunehmenden Kontraktionen bei den Wehen mobilisieren verschiedene Hormone, welche bereits das Bonding ideal vorbereiten. Der Wehenschmerz ist ein Stimulans für deren steigende Produktion. Das Kind hat das Gefühl von Eingeschlossensein, und spürt aber die Unterstützung durch Vater und Mutter. Es kann nichts ändern. Bewegung der Mutter, vor allem ihres Beckens, und Positionswechsel sind in allen verschiedenen Geburtsphasen wichtig und erleichtern dem Kind den Weg.
Mutter und Kind produzieren körpereigene Opiate und Endorphine, wie sie auch bei Langstreckenläufern das Durchhalten ermöglichen. Diese schützen vor allzu grossen Schmerzen. Ebenso bewirkt die Stresshormonaktivität eine hohe Wachheit, und aktiviert die Atemfunktion sowie die Herztätigkeit von Mutter und Kind. Ich schaffe es, kann etwas erreichen.

Öffnung
Der Weg durch den Geburtskanal wird in unterschiedlicher Geschwindigkeit begangen. Aktives Teilnehmen mit guter Unterstützung durch den Partner, die Hebamme und eventuell einer befreundeten Begleiterin (eine Doula) verkürzt die Zeit. In keiner anderen Situation des Lebens steht die Mutter unter einer solchen Menge von Hormonen.  

Die Sensibilität beider Partner unter der Geburt ist sehr hoch. Sie erleben eine Grenzerfahrung. Die liebevolle Zuwendung durch den Partner wirkt sich sehr unterstützend aus, sei es durch Berührungen, Streicheln oder Massage. Die Art der Hilfestellung darf und soll die Mutter unter der Geburt selbst bestimmen. Ein vorheriges Absprechen von solchen Möglichkeiten des Helfens lohnt sich, um Missverständnissen vorzubeugen.

Mit achtsamem und geduldigem Verweilen können Sie viel Schmerzhaftem vorbeugen. In einer geschützten Atmosphäre muss sich die Mutter weniger vor einem Kontrollverlust fürchten, respektive die Kontrolle darf in Sicherheit aufgegeben werden.

Zum Geburtsabschluss gehört das Bonding zwischen Mutter und Kind unmittelbar nach der Geburt. In diesem Augenblick wird Ihr Herz Musik spielen. Weiteres siehe «Nach der Geburt».

 

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