Schwangerschaft


Beziehungswelt
Das Zusammenleben zu dritt sollte bereichernd und befriedigend erlebt werden können. Das Ungeborene als dritte Person in Ihrer Beziehung muss gedanklich aufgenommen werden, ohne dass Sie sich selbst ausschliessen. Auch wenn Sie das Kind nicht direkt fühlen, dürfen Sie sicher sein, dass Ihre Verbindung zum Bauch Ihrer Partnerin zur freudigen Erregung Ihres Kindes mit Erhöhung dessen Bewegungsqualität und Gesamtentwicklung führt.
Ihre Bindung entsteht gedanklich und körperlich über eine imaginäre Bande.

Fürsorge
Ihre Gefühle verändern sich im Verlauf der Zeit der Erwartung.  Die Natur hat vorgesorgt, indem auch Männer hormonelle Veränderungen durchmachen, die es ihnen ermöglichen, feinfühlig und liebevoll zu reagieren. So lassen sich vor und nach der Geburt im Speichel des Vaters erhöhte Werte von Prolaktin, Kortisol und Östrogen nachweisen, die Umbauprozesse im Gehirn vorbereiten  und fürsorgliches Bindungsverhalten stimulieren.   
Ausserdem kann man bei Männern in den ersten Wochen nach der Geburt eine rapide Reduktion der Testosteron-Produktion feststellen. Sinkt der Testosteron-Spiegel, kann sich der Vater besser in die Welt seines Kindes und seiner Frau einfühlen, er entdeckt weichere Seiten an sich. Zusätzlich stimuliert der Austausch von Geruchstoffen diesen Prozess.
Die Qualität der Vater-Kind-Bindung entwickelt sich im Wechselspiel der Gefühle  einer Schwangerschaft und sich verändernden Partnerschaft.

Auch wir Männer sind auf diese Weise «ein bisschen schwanger»

(G.Hüther)

Resonanz
Ungeborene reagieren auf Töne, die gezielt auf die Gebärmutter gerichtet werden. Damit Ihre Stimme als Vater das Baby besser erreicht, müssen Sie deutlich und wahrscheinlich auch etwas höher sprechen als gewohnt.
Die Forscher sind der Meinung, dass Babys schon in 18. Woche zu hören beginnen.  In der 28. SSW sind die Reaktionen des Babys auf Geräusche sehr beständig. Ungeborene und  Babys hören sehr gerne menschliche Stimmen, was sich mit ihrem emotionalen Bedürfnis nach Liebe und Nähe deckt.  Sie nehmen die stimmlichen Äusserungen wahr, ordnen sie zu und erfassen ihren Sinn. Sie unterscheiden die Tonhöhe und den Sprechrhythmus. Sprechen Sie ihre Laute besonders deutlich aus, so wird das Baby mit den Lauten Ihrer Sprache schneller vertraut.

Ihr Baby wird Ihnen auch die Kontaktnahme über den Bauch quittieren, indem Sie eine Hand oder einen Fuss spüren und durch entsprechende Wölbung der Bauchhaut erkennen.  
Bleiben Sie so in Kontakt und geniessen Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin das «Zwiegespräch». Hier wirkt letztlich ein Resonanzphänomen: je entspannter und gelassener die beiden Eltern sind, umso entspannter und gelassener wird auch Ihr Kind sein.

 

Das Couvade Syndrom
Unter dem Begriff Couvade Syndrom (vom französischen „couver“, ausbrüten. 1965 erstmals beschrieben) versteht man die Tatsache, dass bei Männern Schwangerschafts-Symptome entstehen, sobald ihre Partnerin ein Kind erwartet. Sie klagen über Übelkeit, Schwindel, Kopf- und Rückenschmerzen, Suchtverhalten, Stimmungsschwankungen, Verdauungs-störungen und sie nehmen an Bauchumfang zu.

 

An der Universität London wurde eine Studie mit fast 300 Männern durchgeführt [Brennan, A. et al (2007): A critical Review oft the Couvade Syndrome: The Pregnant Male. Journal of Reproductive and Infant Psychology, 25 (3), 173-189]:

 

Die Inzidenz für das Couvade Syndrom betrug in der englischen Bevölkerung 25%. Dabei verschlimmerten sich die Symptome während der Schwangerschaft und gipfelten im letzten Drittel, um nach der Geburt langsam nachzulassen.
Im Durchschnitt nahm ein werdender Vater 4 Kilogramm an Gewicht zu.

Wenn ich Gespräche mit Vätern führe und gezielt nachfrage, wird ersichtlich, wie tief werdende Väter während Schwangerschaft und Geburt berührt oder von Ängsten geplagt werden. Dieses Ereignis wird meist mehr als ein emotionales Berührtsein. Diagnosen wie eine postpartale Depression bei Männern werden auch von der Fachwelt noch kaum ernst genommen, weil sie schlecht in unsere gewohnten Bilder der Geschlechterrollen passt.

Hilfe beim Couvade Syndrom: Wir müssen erkennen, dass eine Schwangerschaft eine grosse Veränderung und Belastung für beide Partner sein kann. Offene Gespräche mit der Partnerin über jegliche Art von zwiespältigen Gefühlen sind sehr hilfreich und wichtig. Sie können die Männer während der Schwangerschaft ermutigen, eine aktive Rolle einzunehmen.
Leider sind Männer es weniger gewohnt, sich mitzuteilen oder sie haben das Gefühl, ihre Partnerin trotz eigener Probleme unterstützen zu müssen.

 

Gerne dürfen Sie mich bei eigener Betroffenheit bei mir für ein Gespräch melden.

 

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